Weinmythen – die häufigsten Irrtümer

Weinmythen – die häufigsten Irrtümer

Wein, das flüssige Gold. Wein, das immerwährende Trendgetränk. Über kaum ein anderes Getränk kursieren so viele Mythen. Kaum ein Getränk bei dem sich so viele „auskennen“. Vermeintlich. Doch längst nicht alles, was über Wein gesagt wird, hat Hand und Fuss.

Mit einer Weinkarte mit rund 90 Positionen, die jeden Monat durch einen neuen Monatswein ergänzt wird, bietet das Panorama Resort & Spa in seinen Restaurants ein vielfältiges Angebot an Weinen aus aller Welt. Grund genug, einmal bei unserem Eventleiter und Weinkenner Heinz Fuchs nachzufragen, welche Mythen über Wein denn tatsächlich wahr sind.

„Herr Fuchs, Sie arbeiten seit bald 35 Jahren im Panorama Resort & Spa. Eine lange Zeit, in der Sie sicherlich bereits viele Mythen über Wein gehört haben. Welchen Weinmythos hören Sie am häufigsten?“

„Am gängigsten ist wohl der Mythos, dass Rotwein bei Zimmertemperatur getrunken werden muss.“

„Ist an diesem Mythos etwas dran?“

„In der heutigen Zeit, wo die normale Raumtemperatur in Wohnungen meist zwischen 20 bis 22° C liegt, ist dieser Mythos falsch. Die ideale Trink-Temperatur ist zwar von Wein zu Wein unterschiedlich, doch für das optimale Geschmackserlebnis sollte kein Wein auf über 18° C temperiert sein.

Grundsätzlich kann man sagen, je schwerer ein Wein, das heisst je mehr Tannine ein Wein enthält, desto wärmer kann er genossen werden. Die oben genannten 18° C Trink-Temperatur gelten also nur für volle, schwere und damit tanninreiche Rotweine. Leichte, tanninarme Rotweine hingegen schmecken am besten bei 14 bis 16° C.

„Was sagen Sie zu den nachfolgenden Aussagen über Wein? Wahr oder Ammenmärchen?

Rotwein schmeckt dekantiert besser“

„Dazu möchte ich zunächst kurz erklären, was das Ziel des Dekantierens ist: Das Dekan­tieren dient der geschmacklichen Entfaltung des Weins durch Zufuhr von Sauerstoff. Insbesondere gewinnen dadurch die im Rotwein enthaltenen Tannine an „Wert“.

Nun zurück zum Mythos. Nicht bei allen Rotweinen muss bei der geschmacklichen Entfaltung nachgeholfen werden. Sinn macht das nur bei jungen, tanninreichen Rotweinen. Denn tanninreiche Weine entfalten sich langsamer. Oder anders gesagt: Sie müssen länger gelagert werden um Ihren vollen Geschmack zu entfalten. Wenn man tanninreiche Weine noch „jung“ trinkt, hilft man der Entfaltung des Weins durch das Dekantieren nach. Demzufolge schmecken besagte Rotweine dekantiert tatsächlich besser. Aber eben nicht alle.

Das führt uns gleich zum nächsten Mythos. Denn auch bei diesem spielt der Tanningehalt eine wesentliche Rolle.“

„Rotwein muss alt sein – Weisswein schmeckt nur jung“

„Tannin ist ein natürliches Konservierungsmittel. Daher lässt sich ein Wein mit hohem Tanninanteil auch länger lagern. Und da Weissweine viel weniger Tannin enthalten als Rotweine, sind Rotweine prinzipiell alterungsfähiger.“

„Heisst das, dieser Mythos ist wahr?“

„Das lässt sich so nicht sagen. Es kommt drauf an. Nicht jeder Rotwein hat automatisch einen hohen Tanningehalt. Denn nicht jeder Rotwein wird für das lange Altern hergestellt. Heutzutage müssen viele Weine möglichst früh trinkreif sein. Die Hersteller dieser Weine setzen dementsprechend auf einen moderaten Tanningehalt. Viele Rotweine sind also explizit für den Verzehr in „jungen Jahren“ gedacht.

Und beim Weisswein ist es halt so, dass an diesem meist besonders die Frische geschätzt wird. Wer also gerne leichten und spritzigen Weisswein mag, was wohl auf die Mehrheit der Weintrintrinker zutrifft, der trinkt diesen besser jung.“

„Ein Silberlöffel im geöffneten Champagner hält die Kohlensäure drin“

„Gemäss dem Mythos soll Champagner länger prickelnd bleiben, wenn man einen Silberlöffel mit dem Stiel voran in den geöffneten Flaschenhals steckt. Eigentlich witzig, dass sich dieser Mythos so hartnäckig hält, ist er doch ganz klar falsch. Ein Silberlöffel in der angebrochenen Champagnerflasche bringt rein gar nichts.

Was also tun, damit die angefangene Flasche auch am zweiten Tag noch genauso prickelt wie am Ersten? Die geöffnete Flasche verschliessen, am besten mit einem Druckverschluss, und in den Kühlschrank stellen. Verschluss wie auch kühle Temperaturen verlangsamen nämlich den Verlust von Kohlensäure.“

„Herr Fuchs, im Juni 2017 feiern Sie Ihr 35-jähriges Dienstjubiläum im Panorama Resort & Spa. Mit welchem Wein werden Sie auf dieses besondere Jubiläum anstossen?“

„Wahrscheinlich bin ich an diesem Tag im Dienst. Aber ich glaube nach Dienstschluss werde ich dennoch mit einer Flasche Valbuena Nr. 5 von der Vega Sicilia auf die vergangenen Jahre anstossen. Mal sehen …“

2 Kommentare

  1. Herzliche Grüße erst einmal an die Familie Rüegg!

    Herzlichen Dank auch an die „Verfasserin“ des Beitrages und vor allem Herr Fuchs als Weinbeauftragter in Ihrem Hause.

    Ich nehme diesen Artikel nun zum Anlass, einen mir unvergesslichen Abend in Ihrem Hause zu beschreiben.

    …Irgendwann in den späteren 1990ern, bei einer Wochenendveranstaltung mit einem Künstler, einem zauberhaften, unvergesslichen „unzähligen-Gänge Menü“, untermalt mit einer Musikalischen Diashow und einer Rotwein Prämiere, dessen Etikett vom anwesenden Künstler gestaltet wurde.

    Ich werde diesen Abend vollkommener Genussfreude und ausgezeichneter Gastfreundlichkeit niemals vergessen!

    Dankesehr für dieses Vollkommene Gast-Erlebnis!

    Ich bin jedes Mal gerührt, wenn ich an Sie und Ihr Gastgeber-Können denke!

    Ich trank damals so gut wie keinen Alkohol, und Wein gehörte bis zu diesem Zeitpunkt nicht einmal zu meinen Kulinarischen Werten. Wir genossen die vorzüglichen Speisen, ihre Präsentation, die Künstlerische Untermal und freundlich-ausgeglichene Stimmung.
    Der Kellner bot, obwohl ich fast den ganzen Abend, dankend ablehnte, mir bei jeder Runde ein Glas Wein an, als hätte er mich nie zuvor gefragt…

    Irgendwann an diesem unvergesslichen Abend, ich fühlte mich erhaben, verzaubert durch dieses Kulturerlebnis höchster Klasse, voller Freude und in bester Gesellschaft, da bot mir der Kellner erneut ein Glas an, und dieses Mal zögerte ich und beschloss dann- den Wein ein einziges Mal zu probieren, bevor ich ihn weiterhin ablehnen würde…

    Dass möchte ich mit einer Theorie des Aristoteles als „Siebter Himmel“ bezeichnen.

    Somit ist mein erstes Rotwein-Erlebnis, in der für mich reinsten Form der kulinarischen Glückseligkeit in Ihrem Hause geschähen.

    Dafür fühle ich mich immer noch vollkommen als Gast geehrt.

    …Heute sitze ich nach über 20 Jahren, etwa 20 Motorroller Minuten entfernt und dabei dachte ich, dass muss ich jetzt mal sagen/schreiben…

    Momentan bin ich mit meinem Motorroller in der schönen Schweiz unterwegs und freue mich schon jetzt, Mal wieder Ihre Gastfreundlichkeit zu erleben.

    Bis bald ihr

    Arne P.

    • Janine Barmettler

      Sehr geehrter Arne P.

      Wow, was für eine schöne Geschichte! Toll zu lesen, dass Sie uns nach so langer Zeit noch in bester Erinnerung haben. Wir, eingeschlossen Herr Fuchs, haben uns sehr über Ihren Kommentar gefreut!

      Wir hoffen, Sie konnten Ihre Motorroller-Tour in der Schweiz geniessen, oder tun es noch, und würden uns sehr freuen, Sie wieder einmal bei uns im Panorama Resort & Spa begrüssen und verwöhnen zu dürfen.

      Herzliche Grüsse aus Feusisberg

      Janine Barmettler
      Leiterin Marketing & Kommunikation

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